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Hilferufe nach Berlin und München Maut-Preller rufen Lokal-Politiker auf den Plan - Bis zu 30% mehr Verkehr
Den Bürgern und Autofahrern im Landkreis Landshut stinkt es gewaltig: Seit der Einführung der Autobahnmaut beklagen Durchfahrtsgemeinden wie Essenbach,
Ergoldsbach oder Altdorf die drastische Zunahme des Lastwagenverkehrs. Zahlreiche "Maut-Preller" suchen sich nun ihren Weg über die Bundes- und Staatsstraßen zu ihrem Ziel. Die Lokalpolitiker
machen deshalb mobil: In zahlreichen Petitionen an die Bayerische Staatsregierung und an die Bundesregierung fordern sie ein rasches Handeln.
Morgens gegen 7 Uhr in Altdorf: Gerade erwacht der
Markt an der Landshuter Stadtgrenze zum Leben. Doch schon seit einigen Stunden können die Bürger entlang der Durchgangsstraße kein Auge mehr zumachen. Auf der schmalen Straße durch den
sonst so schmucken Ort drängelt sich Laster an Laster - meist mit auswärtigen oder sogar österreichischen Kennzeichen. "Da bekomme ich oft Angst", meinen viele Bürger.
Altdorf ist in zweierlei Hinsicht geprägt vom Schwerlastverkehr. Es war der 21. November 1977, als im Bereich, der Einmündung der Bahnhofstraße in die Hauptstraße ein Tanklastzug umkippte und
ein Flammeninferno auslöste. Nur durch das rasche und umsichtige Eingreifen der Altdorfer Bürger und der Feuerwehr konnte damals Schlimmeres verhindert werden - dennoch fiel das Gasthaus
Wadenspanner den Flammen zum Opfer. Heute werden viele Altdorfer wieder an dieses Unglück erinnert. Fuhren noch bis zum Jahreswechsel 2004/2005 die
mit Sprit aus den Raffinerien bei Ingolstadt beladenen Lastzüge über die A 92 - also der offiziellen Führung der B 299
Richtung Landshut und weiter ins Vilstal, donnern die Laster nun wieder durch die Marktgemeinde. Der Grund liegt für die Brummifahrer auf der Hand: Sie sparen sich die fällige Autobahnmaut.
War bis zur Einführung der Mautabgabe die Verkehrsbelastung der Orte entlang der B 299 und B 15 auch schon
massiv, verdeutlichen die aktuellen Zahlen einer Verkehrszählung die Zunahme des Schwerlastverkehrs entlang der
Verkehrsadern. So gehen die Spezialisten des Landshuter Straßenverkehrsamtes von einem Zuwachs von bis zu 30
Prozent auf der B 15 südlich von Ergoldsbach aus. Auch auf der alten B 11 bei Viecht - einer bei Brummifahrern beliebten Umfahrung der A92 – stieg der Lasterverkehr um rund 20 Prozent.
Von der B 299 im südlichen Landkreis liegen bisher noch keine ordentlichen Vergleichszahlen vor. Dennoch: Zählte
man im Jahr 2000 noch 1245 Fahrzeuge täglich, waren es vor einigen Wochen immerhin rund 2000 Brummis, die die
Straße Richtung Rottal und Österreich befuhren. Nicht viel anders .sehen die Zahlen für die B 15 südlich von Landshut aus: Im Jahr 2000 fuhren 705 Brummis, 2005 waren es 1046 täglich.
Zahlen, die nun die Lokalpolitiker auf den Plan rufen. Nach Essenbach, Ergoldsbach und anderen, hat nun auch die
Altdorfer CSU-Fraktion im Marktgemeinderat Schreiben nach München geschickt. In den beiden Schreiben - an das
Umweltministerium und an das Verkehrs Ministerium - geht es vor allem darum, dass die Ortsdurchfahrt Altdorf
entlastet werden soll. Zudem melden die Politiker Bedenken in Sachen Feinstaubbelastung verursacht durch die Brummi-Abgase an.
"Immer mehr Bürger, vor allem auch die Eltern von Kindern, haben große Sorge um die Gesundheit", schreiben die
Altdorfer CSU-Politiker an Dr. Otto Wiesheu und Werner Schappauf. Die Altdorfer fordern in ihren Schreiben die
beiden Minister zum Handeln auf. Sie sollen prüfen, in wieweit es möglich ist, den Schwerlastverkehr aus den Ortschaften zu bekommen.
Auch der Marktgemeinderat in Essenbach wurde schon Mitte März aktiv und schickte einen Hilferuf gen Berlin. Dabei
sind die Bürger der Marktgemeinde gleich doppelt betroffen: Zum einen schiebt sich die LKW-Kolonne auf der B 15
sowieso schon unerträglich durch Essenbach. Zum anderen sind nun auch die Ortsteile Ahrain sowie Altheim entlang
der alten B 11 besonders durch die Maut-Preller belastet. Dabei kann man mit ähnlichen Zahlen wie aus Viecht
rechen.Was die Lokalpolitiker aus dem Landkreis Landshut bereits im Februar befürchteten ist nun eingetreten:
Damals gingen sie von einer Mehrbelastung der Bundes-, Staats- und Kreisstraßen durch die Maut-Preller von rund
30 Prozent aus. Doch seitdem ist auch die Diskussion um die Feinstaubproblematik in den Mittelpunkt gerückt - ein Grund mehr für Handlungsbedarf.
Immerhin hieß es am Mittwoch: Das Bundeskabinett will Anfang Mai die steuerliche Förderung für Dieselfahrzeuge
mit Russpartikel-Filtern gesetzlich auf den Weg bringen. Das kündigte Umweltminister Trittin an.
Geplant sei eine steuerliche Entlastung von 350 Euro für Neuwagen mit eingebautem Rußpartikel-Filter und 250 Euro
für Nachrüstungen. Das Gesetz soll rückwirkend 2005 in Kraft gesetzt werden und bis 2007 gelten.
"Wir wissen nicht, wie man die Probleme abschaffen könnte - aber vielleicht fällt der Regierung in München oder
Berlin etwas ein. Immerhin wurde in Berlin auch die Autobahnmaut erdacht", meint Helmut Maier von der Altdorfer
CSU. Immerhin stellen die mit Benzin beladenen Laster ein nicht zu verachtendes Gefahrenrisiko für die Bürger nicht nur in Altdorf dar - von der Gesundheitsbelastung durch Abgase ganz zu schweigen.
Michael Faaß
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